Der Schrei in meinem Kopf

Mir geht es gerade nicht gut.
Ich denke es würde einfacher werden, wenn ich einfach ehrlich sein könnte über meine Gefühle, aber ich glaube… nein, ich bin mir eigentlich sicher, meine Kollegen verstehen es nicht, auch wenn ich es erkläre.

Deswegen erkläre ich es mir und hoffe, dass ich mir vielleicht einige Ängste nehmen kann.

Ich soll eine Kollegin wegen einem ziemlich komplexen Thema befragen. Vor Jahren, als sie und ich nicht in diesen Abteilungen waren, entstand ein Fehler, den ich letztens bemerkt habe.
Mir fällt es ungeheuer schwer, dieses Thema anzusprechen. Ich kann mich hier nicht hinter einer Email verstecken, sondern sie sitzt neben an.
Es wird erwartet, dass ich aufstehe und zu ihr gehe und das anspreche. Ich krieg mich aber einfach nicht aufgerafft. Ich habe einfach große Angst.

Angst vor war?
Ich weiß es nicht, dass sie sauer wird. Das sie es nicht weiß! Das sie mich bloß stellt. Wahrscheinlich genau das. Das sie mich bloß stellt, nieder macht und öffentlich vorführt. Warum? Weil ich einfach diese Angst habe und fast weine, weil ich diese Angst habe.
Warum traue ich mich nicht, meinen Kollegen das zu beichten? Weil es mich schwach und irrational und unfähig aussehen lässt. Weil ich genau so ja nicht aussehen will. Weil schwach nie ein gutes Attribut ist. Weil schwache Menschen es zurecht verdienen nieder gemacht zu werden, zumindest sagt mein Kopf das. Ich glaube ihm nicht und doch glaube ich ihm. Alles was mir negatives geschieht, passiert zurecht, weil ich schwach bin.
Ich schlage mich lieber selbst, kratze und beiße mich, denn körperlichen Schmerz kann ich aushalten und es fühlt sich wie die gerechte Strafe an.

Aber gerade kann ich das nicht, weil ich auf der Arbeit sitze, vor mich hinbrödele. Mir ist übel und ich weiß wie sie warten, dass ich aufstehe und eigentlich verfluche ich, dass ich mich nicht hinter einer Email verstecken kann. Scheiße, ich hasse Telefonieren, aber wenigstens auch da kann ich mich verstecken.
Ganz am Anfang meines Jobs hier, hätte ich die Aufgabe gehabt, durchs ganze Haus zu gehen und jeden Einzeln zu befragen. Ich habe das nie gemacht, wegen der gleichen Angst. Hat es mir geschadet? Nein. Aber ich bereue diesen Schwindel noch heute. Ich denke nicht jeden Tag daran, aber oft genug und es ist mittlerweile fast 5 Jahre her.

Ich weiß immer noch nicht was ich tun kann.
Immer noch nicht, wie ich mich aus dem Dreck ziehen kann. Und immer noch denke ich mir… scheiße, warum habe ich diesen Fehler überhaupt gefunden, warum angesprochen, warum wollte ich ihn ändern? Warum muss ich überhaupt irgendwas nachforschen, warum ist es nicht egal, warum können wir nicht einfach es beheben ohne das ich so Fragen stellen muss? WARUM GEHT DAS NICHT?
WARUM BIN ICH SO BLÖD UND UNFÄHIG?
Teufelskreis, Hass… keine Lösung. Jedes verdammte Mal.
Ich setz mir eine Frist, ich hoffe ich lasse sie nicht verstreichen.

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