Ich und Ausbildung

Lange bestand dieser Blog und lange blieb er doch offen und ungefüllt. Er war bereit, wartete auf ein Thema, das ich ihm aber einfach nicht bieten konnte. Keine Ahnung wie viele Blogposts nach heuten noch folgen werden, aber heute habe ich das Bedürfnis zu sprechen oder zu schreiben.

Mein eigene Ausbildung ist noch gar nicht solange her, ich hab sie 2014 abgeschlossen und seitdem arbeite ich hier.
Ich habe zwar das Gefühl verloren, selbst ein Azubi zu sein und bin nach 4 Jahren endlich angekommen mit dem Wissen, das ich ein vollwertiger Mitarbeiter bin, der auch Wissen angehäuft hat und eine Meinung die es wert ist gehört zu werden.

Was mich immer noch unsäglich anstrengt und innerlich überfordert, ist das Arbeiten mit Azubis bzw. Praktikanten. Kommen sie kurz um meinen Bereich kennen zu lernen für ein paar Stunden oder bleiben sie sogar länger, über mehrere Tage und man muss sich Aufgaben ausdenken? Ich finde das schwer, nicht wegen den Azubis, sondern weil ich an mir selbst zweifele.

Ich für mich habe das Gefühl, das ich nicht gut erklären kann. Ich bin ein verrückter Professor im Hirn, zumindest nach meinem Empfinden. Ich finde es schwierig alles nach einander Stück für Stück zu erzählen, weil ich den Lernenden so viel wie möglich mitgeben will. Was dumm gerade für eine Einführung oder eine kurze Vorstellung des Aufgabenbereichs, ist es eigentlich zu viel, aber irgendwie will ich trotzdem auch rüberbringen, warum mir dieser Job, so eintönig er manchmal erscheint, liebe. Warum sitze ich gerne für Stunden am Bildschirm und kümmere mich um meine kleinen und großen Probleme? Warum macht es so Spaß ein FaMI zu sein? Warum sind selbst stupide Arbeiten für mich nicht stupide?

Das Thema ist gerade für mich sehr aktuell. Ich hatte heute morgen die Aufgabe, Azubis in meinen Arbeitsbereich einzuführen.
Ich habe mich sogar selbst rein gequatscht. In dieser Abteilung sind wir zu dritt und ich bot an, nett wie ich bin, dass ich auch mehr als nur diesen bisher geplanten Teil übernehmen kann. Ich meinte es ernst so, denn ich will ja nicht mich abkapseln, ich stieg in dieses Team ein um ein Teil davon zu werden, damit wir die Arbeit aufteilen können.
Ich hätte nicht erwartet, dass meine Kollegin dann anbietet dass ich die Einführung machen kann.

Shit, das hatte ich nicht erwartet, aber ich war auch schlicht zu feige, das wiederum abzulehnen. Hier kommt das Konstrukt Mira und ihre Ängste zu tragen.
Ich hab einfach Angst, dass ich meine Aufgabe nicht richtig erfülle, wie oben erwähnt. Wenn ich den ganzen Bereich vorstelle und nur Scheiße quatsche, dann sind die Azubis die nächsten 3 Wochen total verwirrt und nehmen nichts mit, was doof wäre. Auf der anderen Seite war ich dann auch zu ängstlich meine Unzulänglichkeit zu zu geben, besonders da meine Kollegen immer und immer wieder sagten, das ich zu unrecht Angst habe und mich kleiner mache als ich bin.

Ich habe dann heute 3 Stunden versucht meinen Bereich zu erklären und glaube, es war ganz okay… aber so rückblickend kann ich nicht sagen, dass es fantastisch umwerfend war. Immer wieder sprang mir meine Kollegin an die Seite und gab Anmerkungen und Anregungen.
In meinem Kopf arbeitet es jetzt… habe ich das gut gemacht oder hat sie die Anmerkungen nur gemacht, weil sie nicht länger zu hören konnte.
Laut ihrer Rückmeldung war sie wirklich zufrieden mit mir, es war nicht mega geil, aber ich erwarte kein Lob über den grünen Klee… ich erwarte sogar gar kein Lob, deswegen ist es für mich unglaublich schwer, Lob wirklich einzuschätzen. In meinem Kopf lebt einfach diese Stimme, die ihr bei weiteren Beiträgen bestimmt mehr kennen lernt, die alles herunter redet. Ich könnte einen dreifachen Flickflack schaffen und in meinem Kopf maßregelt mich die Stimme, dass mir dabei das Shirt hoch gerutscht ist.

Und so sitzt die Stimme jetzt auch in meinem Kopf. Ich glaube, es war okay. Übung macht den Meister und es war gerade das 2. Mal, dass ich diesen Bereich vorgestellt habe. Dieser Bereich ist nun einmal nicht wie meine alte Stelle. Dort hatte ich mehr Anschauungsmaterial und er war auch viel kleiner.
Hier arbeite ich erst seit 6 Monaten und habe mich dafür sehr gut eingefunden. Dieser Bereich ist sehr lebhaft und hat sich sehr verändert, natürlich weiß ich nicht alle historischen Geschichten, die sich ergeben haben… und ich habe mich immer sehr beruhigt gefühlt, wenn meine Kollegin mit zur Hilfe kam, weil ich wusste, wenn ich kompletten scheiß erzähle, dann würde sie auch etwas sagen.

Und doch fühle ich mich schlecht. Eigentlich will ich nie wieder das machen, ich will es vergessen und einfach ignorieren, dass es möglich ist, das ich bald wieder damit konfrontiert werden könnte. Ich verstehe mich nicht mehr…

Aber ich werde nicht aufgeben. Wir haben es besprochen und sie gab mir positive Kritik mit, was das wichtigste ist, man kann sich nicht verbessern ohne Kritik und wenn sie gut vorgetragen wird, hilft sie weiter… die nächsten Lernenden werden kommen und dann wieder ich wieder hier sitzen, in Sorge…

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